Alte oder stillgelegte Deponien stellen eine der größten und langfristigsten Aufgaben der Kreislauf- und Abfallwirtschaft dar. Sie sind nicht nur Altlasten mit potenziellen Umweltgefahren (Sickerwasser, Deponiegas), sondern bieten durch technologischen Fortschritt auch neue Potenziale im Bereich der Energiegewinnung und der Flächennutzung. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) und die Deponieverordnung (DepV) bilden den rechtlichen Rahmen für den Umgang mit diesen langfristigen Infrastrukturen.
1. Die Stilllegungsphase: Übergang in die Nachsorge
Die Stilllegung einer Deponie ist der rechtlich definierte Übergang von der Betriebsphase in die Nachsorgephase. Sie ist ein komplexer Prozess, der durch die DepV streng geregelt ist.
- Oberflächenabdichtung: Die zentrale Maßnahme ist die Herstellung eines dauerhaften, mehrschichtigen Oberflächenabdichtungssystems. Dieses muss die Emissionen von Deponiegas und Sickerwasser so weit wie möglich minimieren. Typische Elemente sind mineralische Dichtungsschichten, Kunststoffdichtungsbahnen (KDB) und Rekultivierungsschichten.
- Ablauf: Die Stilllegung wird durch die zuständige Behörde per Feststellungsbescheid beendet. Erst dann beginnt die Phase der Nachsorge.
2. Die Nachsorge: Langfristige Emissionsminderung und Überwachung
Die Nachsorgephase erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren und kann, je nach Deponietyp und Gefährdungspotenzial, auch deutlich länger dauern.
2.1. Emissionsminderung (Deponiegas und Sickerwasser)
Die größte Herausforderung ist die Kontrolle der Emissionen:
- Deponiegasmanagement: Durch den anaeroben Abbau des organischen Materials entsteht hauptsächlich Methan (CH_4) und Kohlendioxid (CO_2). Moderne Nachsorge erfordert aktive Gaserfassungssysteme zur Minderung des Treibhauseffekt-Potenzials (CH_4 ist ein starkes Treibhausgas). Das erfasste Gas wird idealerweise energetisch genutzt (siehe Potenzialanalysen).
- Sickerwasserbehandlung: Trotz Abdichtung fällt weiterhin Sickerwasser an. Dieses muss über Sickerwassererfassungssysteme gefasst und kontrolliert abgeleitet werden. Aufgrund der hohen Konzentrationen an Schadstoffen (z. B. Ammonium, organische Spurenstoffe) ist oft eine aufwändige Behandlung (z. B. biologisch-chemische Verfahren, Membrantechnik) vor der Einleitung in ein Gewässer erforderlich.
2.2. Monitoring und Sicherheit
Eine lückenlose Überwachung (Monitoring) ist gesetzlich vorgeschrieben:
- Überwachungsnetz: Regelmäßige Kontrolle der Gas- und Sickerwasserqualität und -menge, sowie die Überwachung des Grundwassers im Abstrombereich der Deponie.
- Standsicherheit: Langfristige Überprüfung der mechanischen Stabilität des Deponiekörpers und der Dichtungssysteme.
3. Potenzialanalysen und Folgenutzungen (Chancen)
Der Wandel von der Altlast zur Ressource eröffnet neue Perspektiven:
3.1. Energetisches Potenzial
- Deponiegasnutzung: Das Methan im Deponiegas ist eine erneuerbare Energiequelle. Potenzialanalysen prüfen die Menge und Qualität des Gases für eine energetische Verwertung in Blockheizkraftwerken (BHKW) zur Strom- und Wärmeerzeugung. Dies reduziert nicht nur Emissionen, sondern schafft auch Einnahmen.
3.2. Flächenpotenzial (Folgenutzung)
Nach erfolgreicher Stilllegung bieten die großen, gesicherten Flächen erhebliches Potenzial für die Energiewende:
- Solarparks: Die Flächen auf dem stillgelegten Deponiekörper eignen sich ideal für die Errichtung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Sie sind oft versiegelungsrelevant und unterliegen geringeren Planungsrestriktionen als unversiegelte Flächen in der Landschaft.
- Forst- und Freizeitnutzung: Je nach örtlicher Gegebenheit und behördlicher Genehmigung ist eine extensive forstwirtschaftliche Nutzung oder die Anlage von Freizeit- und Erholungsgebieten (unter Beachtung der Standsicherheit und der Durchwurzelungstiefe) möglich.
Potenzialanalysen müssen stets die langfristigen Risiken (Setzungen, Gasdurchdringung) gegen die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile der Folgenutzung abwägen und die Genehmigung durch die zuständigen Umweltbehörden sichern.
Das dazu gehörige Fachseminar ist in der Seminarwelt des IWU Magdeburg auffindbar.
