Das naturwissenschaftliche Trio der Altlastenbearbeitung

Die Beurteilung von Altlasten erfordert ein synergetisches Verständnis der „Drei Säulen des Untergrunds“. Jede Disziplin liefert einen spezifischen Baustein für das konzeptionelle Standortmodell (CSM).


1. Geologie: Das statische Gerüst

Die Geologie liefert uns Informationen über den Aufbau und die Entstehung des Untergrunds. Für die Altlastenbearbeitung sind zwei Aspekte kritisch:

  • Lithologie: Handelt es sich um klüftigen Festgesteinsuntergrund oder um Lockersedimente? Die Gesteinsart bestimmt die primäre Ausbreitungspfade.

  • Stratigraphie & Tektonik: Schichtenfolgen, Verwerfungen oder Störungen können als „Barrieren“ wirken oder als „Schadstoffautobahnen“ fungieren, die Kontaminationen in unerwartete Tiefen leiten.


2. Bodenkunde: Der chemische Reaktor

Der Boden ist weit mehr als nur „Dreck“. Im Sinne des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) ist er ein Funktionsgefüge. In der Altlastenerkundung betrachten wir ihn als Filter- und Pufferorgan:

  • Sorptionskapazität: Wie stark binden Bodenbestandteile (Humus, Tonminerale) Schadstoffe? Hier ist der organische Kohlenstoffgehalt  und der daraus resultierende Verteilungskoeffizient entscheidend.

  • Bodenhorizonte: Die vertikale Abfolge bestimmt, wie schnell Schadstoffe die ungesättigte Zone durchwandern, bevor sie das Grundwasser erreichen.

  • Redox-Milieu: Die bodenchemischen Bedingungen entscheiden darüber, ob Schwermetalle immobilisiert werden oder mobil in Lösung gehen.


3. Hydrogeologie: Die Dynamik des Transports

Die Hydrogeologie betrachtet das Wasser als Transportmedium für gelöste Schadstoffe. Ohne hydrogeologische Kennwerte ist keine Gefährdungsabschätzung für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser möglich.

  • Permeabilität (kf-Wert): Der Durchlässigkeitsbeiwert ist die wichtigste Kennzahl für die Fließgeschwindigkeit.

  • Hydraulischer Gradient: In welche Richtung fließt das Wasser, und wie steil ist das Gefälle?

  • Aquifer-Typ: Unterscheiden wir zwischen Poren-, Kluft- oder Karstgrundwasserleitern? Davon hängt ab, ob sich eine kompakte Schadstofffahne bildet oder eine unvorhersehbare Verteilung erfolgt.


4. Die Verwaltungspraxis 2026: Naturwissenschaft trifft Recht

In der modernen Umweltverwaltung werden diese Daten heute im Digitalen Standortzwilling zusammengeführt.

  • Klimaanpassung: Wir berücksichtigen 2026 verstärkt, wie extreme Trockenphasen (sinkende Grundwasserstände) oder Starkregenereignisse (erhöhte Auswaschung) die Schadstoffdynamik verändern.

  • Vorsorgewerte: Die bodenkundliche Einordnung (Bodenart, Humusgehalt) ist die Basis für den korrekten Vergleich mit den Vorsorgewerten der BBodSchV.*

    *KI-generierter Text. Fehler nicht ausgeschlossen.


    Das dazu gehörige Fachseminar ist in der Seminarwelt des IWU Magdeburg auffindbar.