Geruch – Messung und Beseitigung im Umwelt- und Immissionsschutz

Geruchsemissionen gehören zu den am häufigsten wahrgenommenen und sensibelsten Umwelteinwirkungen im gewerblichen und industriellen Bereich. Im Gegensatz zu klassischen Schadstoffen wie Feinstaub oder Lärm, die sich physikalisch oder technisch direkt in metrische Einheiten (wie Massenkonzentrationen oder Schallpegel) fassen lassen, stellt Geruch ein hochkomplexes sensorisches Phänomen dar. Ein Abluftstrom kann Tausende von molekularen Einzelkomponenten enthalten, die in ihrer Gesamtheit – oft schon in geringsten Konzentrationen – olfaktorische Reize auslösen. Eine präzise Erfassung, Bewertung und technische Beseitigung erfordert daher ein interdisziplinäres Zusammenspiel aus Prozesstechnik, Sensorik und strengen normativen Vorgaben.

1. Messung und Quantifizierung von Gerüchen

Da rein chemisch-analytische Methoden (wie die Gaschromatographie zur Bestimmung einzelner Leitkomponenten) selten das gesamte und komplexe Geruchsbild erfassen können, dient international standardisiert die menschliche Nase als geeichtes Messinstrument.

  • Die Olfaktometrie (Emissionsmessung): Nach der europäischen Norm DIN EN 13725 werden Geruchsproben an Emissionsquellen (z. B. Schornsteinen, aktiven Biofiltern oder offenen Becken) in speziellen, geruchsdichten Probenahmebeuteln gesammelt. Im Labor werden diese Proben mithilfe eines Olfaktometers stufenweise mit geruchsneutraler Luft verdünnt. Ein geschultes Prüferpanel (Prüfpersonen, deren Geruchssinn vorab mittels n-Butanol kalibriert wurde) atmet die aufbereitete Luft ein. Die Konzentration wird in Geruchseinheiten pro Kubikmeter (GE/m³) angegeben: 1 GE/m³ entspricht jener Stoffkonzentration, die von 50 % des Prüferpanels gerade noch als Geruch wahrgenommen wird.

  • Immissionsmessungen im Feld: Um festzustellen, ob Gerüche in der Nachbarschaft zu unzulässigen Belästigungen führen, werden Raster- oder Fahnenbegehungen nach DIN EN 16841 durchgeführt. Dabei dokumentieren ausgebildete Begeher nach einem festen zeitlichen und räumlichen Raster das Auftreten, die Intensität und den Charakter von Gerüchen in der Umgebung einer Anlage.

  • Geruchsimmissionsprognosen: Für geplante Industrie- oder Infrastrukturvorhaben werden die zu erwartenden Immissionen mittels Ausbreitungsrechnungen (unter Einbeziehung von meteorologischen Daten wie Windrichtung und -geschwindigkeit) modelliert, um die Einhaltung rechtlicher Grenz- und Richtwerte (wie sie beispielsweise in der TA Luft verankert sind) zu überprüfen.

2. Ursachen und verfahrenstechnische Ansätze zur Beseitigung

Die Beseitigung oder Minderung von Gerüchen erfordert anlagetechnisch eine strikte Systemtrennung und die Behandlung der gefassten Abluftströme. Je nach chemischer Beschaffenheit der Geruchsstoffe (z. B. Schwefelverbindungen in Kläranlagen, Ammoniak in der Landwirtschaft oder VOCs in der chemischen Industrie) kommen unterschiedliche Reinigungsverfahren zum Einsatz:

A. Primärmaßnahmen (Quellenminderung)

  • Kapselung und Einhausung: Die effektivste Methode verhindert den unkontrollierten Austritt von Gerüchen an der Entstehungsquelle. Emissionsintensive Prozesse werden in geschlossene Räume oder Behälter verlagert, deren Luft gezielt abgesaugt wird.

  • Prozessoptimierung: Durch den Einsatz geschlossener Fördersysteme, die Reduzierung von Verweilzeiten organischer Stoffe (Vermeidung von Faulungsprozessen) oder den Austausch geruchsintensiver Rohstoffe lassen sich Emissionen im Vorfeld minimieren.

B. Sekundärmaßnahmen (Abluftreinigung)

Wenn eine Emissionsminderung an der Quelle nicht ausreicht, wird die abgesaugte Abluft über zentrale Reinigungssysteme geführt:

  • Biofilter: Die kontaminierte Abluft strömt durch ein feuchtes, biologisch aktives Trägermaterial (z. B. Wurzelholz, Rinde oder Kompost). Mikroorganismen bauen die organischen Geruchsstoffe aerob zu Kohlendioxid und Wasser ab. Biofilter arbeiten wirtschaftlich und sind ideal für große Volumenströme mit niedrigen Schadstoffkonzentrationen.

  • Biotrickling-Filter (Wäscher-Biofilter-Kombination): Hier rieselt eine wässrige Nährlösung kontinuierlich über ein inertes Trägermaterial, auf dem der Biofilm sitzt. Dieses System eignet sich hervorragend für wasserlösliche und saure Geruchsstoffe (wie Schwefelwasserstoff), da der pH-Wert des Waschwassers optimal gesteuert werden kann.

  • Aktivkohle-Adsorption: Restgerüche oder Spitzenbelastungen werden häufig über Aktivkohlefilter abgeschieden, an deren innerer Oberfläche die Geruchsstoffmoleküle angelagert werden. Nach Erreichen der Sättigung muss die Kohle reaktiviert oder ausgetauscht werden.

  • Thermische Nachverbrennung (TNV): Bei hochkonzentrierten, schwer abbaubaren oder toxischen Geruchsströmen werden die Substanzen bei Temperaturen meist über 750 bis 850 °C thermisch vollständig oxidiert.*

    *KI-generierter Text. Fehler nicht ausgeschlossen. Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.


    Das dazu gehörige Fachseminar ist in der Seminarwelt des IWU Magdeburg auffindbar.