Die Planung und Genehmigung von Versickerungsanlagen sowie die Behandlung des Niederschlagswassers (NW) von stark befahrenen Verkehrsflächen sind zwei der technisch anspruchsvollsten Bereiche der Niederschlagswasserbeseitigung.
1. Planung und Genehmigung von Versickerungsanlagen
Die Versickerung ist die bevorzugte Beseitigungsform, erfordert jedoch eine sorgfältige hydrogeologische und wasserrechtliche Prüfung.
1.1. Hydrogeologische Unbedenklichkeit (Planung)
Der Planer muss nachweisen, dass die Versickerung technisch möglich ist und keine nachteilige Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit bewirkt.
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Bodenuntersuchung und -Wert: Die zentrale Messgröße ist der Durchlässigkeitsbeiwert (-Wert) des Bodens. Dieser gibt an, wie schnell Wasser versickert. Ist der -Wert zu gering (bindige Böden), ist eine Versickerung oft nicht effizient möglich. Ist er zu hoch (Kies, Sand), muss auf einen ausreichenden Mindestabstand zwischen Versickerungssohle und höchstem Grundwasserstand geachtet werden, um eine natürliche Filterwirkung des Bodens zu gewährleisten (in der Regel ).
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Bemessung: Die Anlage wird auf ein Bemessungsregenereignis ausgelegt (z. B. 15-minütiger Starkregen alle 5 Jahre). Das Speichervolumen der Mulde oder Rigole muss so bemessen sein, dass es dieses Ereignis aufnehmen kann, ohne zu überfluten.
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Schadstoffrückhalt: Bei der Versickerung muss gewährleistet sein, dass keine Grundwasserverunreinigung eintritt. Bei unbelastetem Dachwasser ist dies unkritisch, bei befahrbaren Flächen sind in der Regel zusätzliche Vorbehandlungsstufen erforderlich.
1.2. Wasserrechtliche Erlaubnis (Genehmigung)
Da die Versickerung eine Gewässerbenutzung darstellt ( – Einleiten in das Grundwasser), ist sie erlaubnispflichtig.
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Antragstellung: Der Antragsteller (z. B. Bauherr oder Kommune) muss der zuständigen Wasserbehörde ein fachkundiges Gutachten vorlegen, das die hydrogeologische Unbedenklichkeit, die ordnungsgemäße Bemessung und den Schutz des Grundwassers bestätigt.
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Rechtsfolgen: Die erteilte wasserrechtliche Erlaubnis ist die rechtliche Grundlage für den Betrieb der Versickerungsanlage und legt Auflagen für die Wartung und ggf. das Monitoring fest.
2. Behandlung von Niederschlagswasser von Verkehrsflächen
NW, das von stark befahrenen Verkehrsflächen (Autobahnen, Industriestraßen, Großparkplätzen) abfließt, ist durch Schwermetalle (Reifenabrieb, Bremsbeläge), Mineralölkohlenwasserstoffe () und weitere hochbelastet. Hier sind intensive Behandlungstechniken zwingend erforderlich.
2.1. Klassische und mechanische Verfahren
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Sedimentation und Abscheider: Die erste Stufe ist meist die mechanische Vorbehandlung in Absetzbecken oder Sedimentationsanlagen, um Grobstoffe und Feinschwebstoffe (an denen die meisten Schadstoffe haften) zu entfernen. Öl- und Benzinabscheider werden gezielt zur Entfernung von Leichtflüssigkeiten (z. B. MKW) eingesetzt.
2.2. Biologische und Naturnahe Filterverfahren (Retentionsbodenfilter)
Das ökologisch effektivste Verfahren ist der Retentionsbodenfilter (RBF).
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Funktionsweise: Der RBF ist ein bepflanztes Becken, das mit einer speziellen Filterschicht (z. B. Sand- oder Kiesgemisch) ausgestattet ist. Das NW wird zeitweise in dem Becken angestaut (Retention).
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Elimination: Die Haupteliminationsprozesse sind:
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Filtration: Mechanisches Zurückhalten von Schwebstoffen.
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Adsorption: Bindung von Metallen und organischen Stoffen an die Filtermatrix.
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Biologische Umwandlung: Mikroorganismen im Filterboden bauen organische Schadstoffe (z. B. MKW) und Stickstoffverbindungen ab.
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Vorteil: RBFs bieten eine hohe Reinigungsleistung und dienen zusätzlich der Hochwasserrückhaltung.
2.3. Besondere Anforderungen (PFAS)
Die zunehmende Belastung mit (Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen) stellt neue Anforderungen an die Reinigung. Aktuelle Standardverfahren sind gegen diese „Ewigkeitschemikalien“ nur bedingt wirksam. Hier sind in Zukunft möglicherweise der Einsatz von Spezialadsorbern (z. B. Ionenaustauscher oder Aktivkohle) oder die oxidative Behandlung notwendig, insbesondere wenn das NW aus Risikobereichen (z. B. Feuerlöschübungsflächen) stammt.
Das dazu gehörige Fachseminar ist in der Seminarwelt des IWU Magdeburg auffindbar.
