Fokus auf Marktdesign und Effizienzanreize

⚡️ Paradigmenwechsel im Stromsystem: Der Ruf nach Effizienz und Wettbewerb

Die Monopolkommission (MK) hat mit ihrem aktuellen Sektorgutachten einen dringenden Appell an die Bundesregierung gerichtet, die Strukturfehler des deutschen Strommarktdesigns zu korrigieren. Anstatt lediglich die Symptome (hohe Strompreise, Netzengpässe) zu behandeln, fordert die MK einen grundlegenden Systemumbau, der auf Markteffizienz und Wettbewerb basiert.

Tomaso Duso, der Vorsitzende der MK, betonte, dass die zunehmenden Netzbelastungen – primär durch die volatile Einspeisung Erneuerbarer Energien (EE) und steigenden Gesamtverbrauch – nicht länger mit starren, traditionellen Instrumenten zu bewältigen sind. Die aktuellen Regeln belohnen demnach ein Verhalten, das Engpässe verschärft.

🌐 Dynamische Netzentgelte als Steuerungsinstrument

Das zentrale Reforminstrument der Kommission sind dynamische und regionalisierte Netzentgelte. Derzeit machen starre Netzentgelte rund ein Viertel der Stromrechnung privater Kunden aus, spiegeln aber nicht die lokale oder zeitliche Verfügbarkeit von Kapazitäten wider.

Aktueller Fehlanreiz Folgen für das System MK-Lösung (Dynamische Entgelte)
Günstiger Windstrom im Norden wird erzeugt, obwohl die Netze voll sind. Teure Redispatch-Maßnahmen: Drosselung von EE und Hochfahren von Gaskraftwerken im Süden. Preissignale lenken: Verbrauch und Produktion werden zeitlich und regional an freie Netzkapazitäten angepasst.
Gleichbleibender Verbrauch über den Tag. Das Netz muss ständig für die Spitzenlast dimensioniert werden. „Happy Hour“-Tarife: Wer in Zeiten hoher EE-Einspeisung (z. B. mittags oder windreiche Nacht) verbraucht, zahlt weniger.

Die MK positioniert flexible Netzentgelte als notwendige Anreizstruktur, um Erzeugung und Verbrauch effektiver in Einklang zu bringen und somit die Systemkosten (inkl. Netzausbaukosten) zu senken.

💻 Digitalisierung als Voraussetzung

Als notwendige Flankierung der Entgeltreform sieht die Kommission die konsequente Digitalisierung der Stromnetze. Nur durch den umfassenden Rollout von Smart Metern (Intelligente Messsysteme) und die Bereitstellung von Echtzeitdaten kann das Netzmanagement die Flexibilität von Erzeugern (wie EE-Anlagen) und Verbrauchern (wie E-Mobilität und Wärmepumpen) effizient steuern und die Preisvorteile dynamischer Tarife an die Endkunden weitergeben.

⚖️ Ladeinfrastruktur: Wettbewerb gegen das Monopol

Auch im Bereich der Ladeinfrastruktur kritisiert die MK mangelnden Wettbewerb.

  • Die Kommission begrüßt Maßnahmen zur Verbesserung der Preistransparenz beim Ad-hoc-Laden.
  • Besondere Sorge gilt dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Lkw an Bundesautobahnen. Die MK warnt explizit vor der Entstehung eines Lade-Monopols durch die Tank & Rast GmbH, an die ein Großteil der geplanten Ladeparks ohne Ausschreibung vergeben wurde. Die Kommission fordert hier Ausschreibungen zur Förderung des Wettbewerbs.

🎯 Alternativen und Expertenmeinung

Die Monopolkommission betrachtet dynamische Netzentgelte als drittbeste Lösung. Sie befürwortet grundsätzlich die Einführung von Strompreiszonen oder, idealerweise, Nodal Pricing (Preise, die an jedem Netzknotenpunkt unterschiedlich sind), hält diese aber für politisch schwer umsetzbar. Diese Priorisierung wird von führenden Energieökonomen, wie Lion Hirth, in der Fachöffentlichkeit bestätigt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, zumindest die flexiblen Entgelte entschlossen umzusetzen.

Das dazu gehörige Fachseminar ist in der Seminarwelt des IWU Magdeburg auffindbar.